Gastautor: Leo Willert, Gründer und Head of Trading bei ARTS Asset Management
Zusammen mit dem heißen Sommerwetter entladen sich immer wieder Gewitter auf der weltpolitischen Bühne. Genauso wie beim Wetter lässt sich auch an den Börsen nicht voraussagen, wo der nächste Blitz einschlägt. Der USA-Iran-Konflikt wechselt erratisch zwischen kriegerischen Auseinandersetzungen und Aussicht auf Frieden. Der Zollhammer der US-Regierung kann jederzeit zuschlagen. Und auch die Angriffe der Ukraine auf die russische Energieinfrastruktur wirken weltweit. Diese atmosphärischen Spannungen entladen sich spiegelbildlich auch an den Anleihe- und Energiemärkten. Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries stieg über den Juli kontinuierlich an und kletterte bis Ende Juli auf 4,7 Prozent. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe erreichte mit 3,21 Prozent den höchsten Stand seit 2011.
Die Aktienmärkte zeigen dagegen zunehmend Resistenz gegenüber der weltpolitischen Großwetterlage auf. Techwerte und KI-Euphorie sorgten für warmen Regen an den Börsen. Jedoch zeichnet sich auch hier eine gewisse Instabilität ab. Die Hochwetterlage könnte drehen. Innerhalb der Tech-Branche wird stärker differenziert und die Rentabilität der hohen KI-Investitionen immer mehr in Frage gestellt. Weltweit sind Tech-Werte, und hier insbesondere Halbleiter-Aktien, im Juli unter Druck geraten.
Aktienmärkte entkoppeln sich zunehmend von Wirtschafts- und Fundamentaldaten
Die wachsende Entkoppelung der Aktienmärkte von Wirtschafts- und Fundamentaldaten birgt auch Risiken für die klassische Fondsanalyse. Wenn solide Unternehmenskennzahlen sich nicht im Börsenwert widerspiegeln und umgekehrt, stellt dies Fondsmanager mit einem Fundamentalansatz vor Herausforderungen. Die Fundamentalanalyse besitzt somit weniger Aussagekraft. Die klassischen Wettermodelle versagen.
In einem volatilen Marktumfeld mit vielseitigen Risikofaktoren kann ein prognosefreier, flexibler Investmentansatz auf Basis quantitativer Regeln eine sinnvolle Lösung sein. Ein Beispiel ist die Momentum-Strategie. Diese setzt auf den Momentum-Effekt, einer der am wissenschaftlich umfassendsten untersuchten Marktanomalien der empirischen Kapitalmarktforschung. Der Momentum-Effekt beschreibt die erhöhte statistische Wahrscheinlichkeit, dass Wertpapiere mit einer überdurchschnittlichen relativen positiven Wertentwicklung ihre Kursdynamik über einen kurz- bis mittelfristigen Anlagehorizont fortsetzen.
Die Umsetzung erfolgt meist über ein regelbasiertes Trendfolgemodell, das Investmententscheidungen auf Basis der Momentum-Strategie automatisiert umsetzt. Positionen werden aufgebaut, sobald sich ein belastbarer Trend abzeichnet, und reduziert oder geschlossen, wenn sich die Trendstärke abschwächt oder ein Trendbruch signalisiert wird. Ziel ist es, an stabilen Marktbewegungen zu partizipieren und gleichzeitig das Risiko signifikanter Verlustphasen zu begrenzen.
Ein integraler Bestandteil des Investmentprozesses ist das Risikomanagement. Hierzu zählen insbesondere die dynamische Steuerung der Aktienquote in Abhängigkeit vom Marktumfeld sowie der konsequente Einsatz von Stop-Loss-Orders. Dadurch können größere Drawdowns systematisch begrenzt werden.
Sektoren können schnell an Schwung verlieren
Ein Blick auf die Fondsallokation des Dach-Aktienfonds C-QUADRAT ARTS Best Momentum Fonds (ISIN: AT0000825393), zeigt auf, dass sich die Anlageschwerpunkte bei einem Momentum-Fonds innerhalb kurzer Zeit grundlegend verschieben können. Im Januar 2026 investierte der Fonds noch parallel zur Edelmetalle-Rally den größten Teil seines Vermögens in Metalle, wie Gold und Silber. Im März verschob sich der Anlageschwerpunkt hin zu Energiewerten. Der Start des Iran-Konflikts trieb die Energiepreise auf ungeahnte Höhen. Ende April wiederum verlagerte sich der Anlageschwerpunkt hin zu Informationstechnologie, angetrieben durch die KI-Rally. Ein aktueller Blick in die Fondszusammensetzung offenbart, dass IT von Biotechnologie abgelöst wurde. IT-Werte machen nur noch einen Anteil von rund sieben Prozent aus (Stand 31.7.26).

Allokation des C-QUADRAT ARTS Best Momentum Fonds, Quelle: ARTS Asset Management
Prognose- und emotionsfrei investieren
Eine quantitative Investmentstrategie wie die Momentum-Strategie ermöglicht es nicht nur prognosefrei, sondern auch emotionslos und ohne kognitive Verzerrungen zu investieren. Auch professionelle Investoren sind nicht davor gefeit, Emotionen und persönliche Meinungen in den Anlageprozess miteinfließen zu lassen und damit die rationale Ebene zu verlassen. Die gegenwärtige Entwicklung von Technologiewerten demonstriert, dass Euphorie schnell in Panik umschlagen kann.
Auch das Market Timing, dessen Erfolg neben echter Expertise natürlich auch auf dem Faktor Glück beruht, kann damit umgangen werden. Viele Anleger zögern in ein Wertpapier einzusteigen, wenn es an der Börse bereits an Wert zugelegt hat. Dabei kann auch ein bereits teurerer Wert ein guter Einstiegszeitpunkt sein. Dies veranschaulicht der C-QUADRAT ARTS Best Momentum Fonds. Im Dezember 2025 wurde hier über einen Silber-ETF eine Position aufgebaut, obwohl der Silberpreis bereits um deutlich mehr als 50 Prozent gestiegen war. Das regelbasierte Trendfolgemodell bewertete den bestehenden Aufwärtstrend dennoch als intakt und generierte ein entsprechendes Einstiegssignal. In den darauffolgenden sieben Wochen setzte sich die Aufwärtsbewegung fort, wodurch der Silberpreis um mehr als 80 Prozent zulegte. Der Ausstieg erfolgte systematisch über eine Stop-Loss-Strategie nach dem Unterschreiten definierter Grenzen. So konnte insgesamt ein Wertzuwachs von rund 60 Prozent realisiert werden.
Die aufgeheizte Weltlage und das weltpolitische Gewitter stellt für einen Anleger, der auf eine quantitative Investmentstrategie wie die Momentum-Strategie setzt, keine echte Bedrohung dar. Das automatisierte Investieren nach klaren quantitativen Regeln mittels Trendfolgemodell und ein umfassendes Risikomanagement ermöglichen die Mitnahme von Gewinnen und die Begrenzung von Verlusten. Welche Sektoren in ein paar Monaten die stärkste Wertentwicklung verzeichnen werden, kann kein Fondsmanager vernünftig voraussagen. Genauso wenig wie wir im Juli wissen, wie das Wetter im August oder September sein wird. Erst wenn sich ein Trend etabliert hat, kann das Trendfolgemodell in den Trend einsteigen und so lange auf der Welle reiten, bis sie bricht. Und dann wird die nächste stabile Welle gesucht.