Autor: Frank Eichelmann Geschäftsführer bei Pro BoutiquenFonds
Themen → Gastbeiträge

Ihren Vermögensverwalter in zehn Jahren noch anrufen?

Gastautor: Frank Eichelmann, Geschäftsführer Pro BoutiquenFonds

Stiftungen denken in Generationen. Ihr Anlagehorizont ist nicht das nächste Quartal – sondern die dauerhafte Erfüllung des Stiftungszwecks. Das setzt einen Partner voraus, der ebenfalls langfristig denkt und handelt.

Der PBF Monitor 2026, die jährliche Marktstudie zu unabhängigen Vermögensverwaltern in Deutschland, liefert Daten, die für diese Partnerwahl direkt relevant sind. Hinter den guten Gesamtzahlen des Jahres 2024 verbirgt sich eine strukturelle Verschiebung, die Stiftungen kennen sollten.

Ein starkes Jahr – mit ungleicher Verteilung

Die Netto-Provisionserträge stiegen 2024 um 45,8 Prozent auf 2,578 Milliarden Euro. Das verwaltete Vermögen erreichte 442,8 Milliarden Euro. Dass der Markt gesund ist, stimmt – in der Summe.

Flossbach von Storch allein vereint 30,6 Prozent aller Erträge. Die 100 größten Gesellschaften kontrollieren 84,5 Prozent des Marktes (2023: 80,7 Prozent). Die Gesamtzahl der lizenzierten Anbieter ist auf 450 gesunken – Tiefstand seit 2014. Elf Neuzulassungen standen 21 Lizenzrückgaben gegenüber.

Wachstum und Konsolidierung laufen gleichzeitig. Wer oben ist, wächst. Wer nicht oben ist, kämpft.

39,5 Prozent der Geschäftsleiter haben das 60. Lebensjahr überschritten

Für Stiftungen ist das die relevanteste Zahl aus dem Monitor. Insgesamt sind 77 Prozent der Geschäftsleiter über 50 Jahre alt. Nur 4,5 Prozent sind unter 40.

Eine Stiftung, die heute einen Vermögensverwalter auswählt, plant idealerweise auf viele Jahre hinaus. Kontinuität – Beziehungsqualität, Anlageüberzeugung, Kenntnis der Stiftungsspezifika – ist schwer zu replizieren, wenn der Hauptverantwortliche das Haus verlässt oder übergibt.

Welche Häuser haben eine belastbare Nachfolgeregelung? Welche werden in fünf Jahren noch eigenständig sein? Häuser ohne Lösung geraten ins Visier von Private-Equity-Plattformen, die andere Interessen verfolgen als eine Stiftung, die Kapital dauerhaft erhalten will.

Strukturqualität messbar machen

Der PBF Strength Score bewertet Häuser anhand von 20 Kriterien in vier Dimensionen: Unternehmenserfolg, Krisenresilienz, Marktposition und Transparenz. Basis: über 15.000 Datenpunkte aus acht Jahren Marktbeobachtung.

Für Stiftungen ist die Krisenresilienz-Dimension besonders aufschlussreich: Eigenkapitalquote, Cost-Income-Ratio, Verhalten in Stresssituationen. Ob ein Haus auch dann noch handlungsfähig ist, wenn der Markt dreißig Prozent verloren hat, lässt sich daran eher ablesen als an der Jahresperformance.

Ergänzt wird der Strength Score durch Transparenz als eigenständige Bewertungsdimension. Vermögensverwalter, die offenlegen, wie sie arbeiten, wer entscheidet und nach welchen Kriterien, sind für treuhänderische Anleger ein verlässlicheres Gegenüber.

Welche Fragen sich lohnen

Bestehende Partnerschaften sollten nicht nur anhand von Performance bewertet werden, sondern auch anhand struktureller Stabilität. Hat das Haus eine klare Nachfolgeregelung? Wie entwickeln sich Cost-Income-Ratio und Eigenkapitalquote über mehrere Jahre? Ist das Geschäftsmodell auf langfristige institutionelle Mandate ausgelegt – oder primär auf Retail?

Der vollständige PBF Monitor 2026 kann bei der Pro BoutiquenFonds GmbH bezogen werden (eichelmann@boutiquenfonds.de).

Frank Eichelmann ist Geschäftsführer bei Pro BoutiquenFonds, Frankfurt. Das Unternehmen veröffentlicht den PBF Monitor jährlich und führt auf Anfrage individuelle Gespräche zur Einordnung einzelner Häuser.

Autor: Frank Eichelmann Geschäftsführer bei Pro BoutiquenFonds

Aktuelle Ausgabe

Spätsommerausgabe 03 2026

Top Beiträge

Spätsommerausgabe 03 2026

In der Rubrik „Mediathek“ stehen Ihnen die aktuelle Ausgabe und ältere Ausgaben des eMagazin PRIVATE BANKER über die Menüleiste zum...

Niedrigwasser und die Geografie des Kreditrisikos

Bei niedrigen Rheinpegeln können Frachtschiffe weniger laden und Unternehmen müssen mitunter ihre Produktion drosseln. Höhere Kosten und geringere Erlöse schwächen...

MODERN-VALUE-KOLUMNE: QUALITÄT MIT REKORDAUSSCHÜTTUNG

Auf der Suche nach verlässlichen Ausschüttungen, greifen viele Stiftungen nach Anlagen, die regelmäßig auf dem Konto landen, da sie zumeist...

News

Spätsommerausgabe 03 2026

Was das wachsende Angebot an Hyperscaler-Anleihen den Anlegern über Indexrisiken vermittelt

Niedrigwasser und die Geografie des Kreditrisikos

Aktuelle Beiträge

Spätsommerausgabe 03 2026

In der Rubrik „Mediathek“ stehen Ihnen die aktuelle Ausgabe und ältere Ausgaben des eMagazin PRIVATE BANKER über die Menüleiste zum...

Was das wachsende Angebot an Hyperscaler-Anleihen den Anlegern über Indexrisiken vermittelt

Gastautor: Thomas Hanson, Portfoliomanager bei Aegon Asset Management Das Ausmaß der Anleiheemissionen großer Technologieunternehmen und der Aufbau der dafür erforderlichen...