Autor: Jens Frank
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KI-Capex im Investment Grade: Tech-Supply steigt, Governance wird zum Kreditfaktor

Die KI-Hyperscaler finanzieren den Ausbau ihrer Infrastruktur zunehmend über Investment-Grade-Anleihen. Das verändert die Marktmechanik, weil das Angebot an Neuemissionen steigt und die Nachfrage nach Liquidität stärker gefordert wird.

Von Jens Franck, Partner und Leiter Portfoliomanagement nordIX AG, Hamburg

Die Tech-Hyperscaler wie Alphabet, Meta, Oracle und Co. bauen KI-Infrastruktur in einem Umfang aus, der selbst bei hohen Cashflows zusätzliche Fremdfinanzierung nahelegt. Damit wächst das Angebot hochwertiger Tech-Anleihen im Investment-Grade-Markt und beeinflusst Preisbildung, Indexstruktur und Absicherungsmechanik. Gleichzeitig nimmt der politische Einfluss auf Corporate Governance zu, wodurch Event-Risiken auch bei großen Namen wieder stärker in die Kreditbewertung rücken. Die Zahlen sprechen für sich: UBS hat beispielsweise die Prognose für US-Tech-Emissionen im Investment-Grade-Segment auf 360 Milliarden US-Dollar angehoben, während das gesamte US-IG-Volumen für das Jahr bei 1,8 Billionen US-Dollar gesehen wird. Zudem erwartet UBS, dass die aggregierten Capex-Ausgaben der Hyperscaler 2026 in Richtung 770 Milliarden US-Dollar steigen könnten. Diese Größenordnungen sprechen für strukturellen Supply. Für Portfoliomanager wird damit zentral, Neuemissionsprämien gezielt zu vereinnahmen und Liquiditätsbudgets so zu führen, dass zusätzliche Angebote ohne Zwangsverkäufe absorbiert werden können.

Tech-Emittenten bleiben aus Kreditperspektive attraktiv

Auch im Euro-Investment-Grade-Markt laufen KI-Risiken in die Kreditprämien hinein. Bei ausgewählten Euro-Benchmark-Anleihen aus Software und Services sowie Digital Payments liegen die aktuellen Risikoprämien (gemessen über den sogenannten Z-Spread) am oberen Rand der bisherigen Jahresspanne. Der Auslöser ist weniger eine kurzfristige Fundamentaleintrübung als Unsicherheit über die mittelfristige Ertragsqualität. Generative KI kann Funktionen standardisieren, Markteintrittsbarrieren senken und Leistungen austauschbarer machen. Das setzt Preissetzungsmacht unter Druck, besonders bei Anbietern mit begrenzter Differenzierung. Bei großen Emittenten zeigt sich bislang vor allem Spread-Dispersion zwischen Top-Credits und dem restlichen Sektor.

Die großen Tech-Emittenten bleiben aus Kreditperspektive wegen Bilanzstärke und hoher Marktliquidität attraktiv. Gleichzeitig wächst das Konzentrationsrisiko, wenn mehrere dominante Emittenten über ähnliche Investitionspfade und Abhängigkeiten vom KI-Erfolg finanziert werden. Dann steigt die Korrelation im Tech-Bucket, während sich Spreads stärker nach Verschuldungsgrad und Free-Cashflow-Deckung staffeln. Oracle ist ein naheliegender Referenzpunkt, weil Investoren hier sensibler auf Rating-Risiken reagieren als bei Alphabet oder Microsoft.

Tech-IG kann als liquiditätsstarker Kernbaustein fungieren

Ein zweiter Indikator betrifft die Absicherung. Das Interesse an Einzelname-CDS auf KI-nahe Emittenten hat zugenommen, weil Investoren Kreditrisiko temporär absichern, um weitere Neuemissionen aufnehmen zu können. IFR zitiert DTCC-Daten, nach denen der Brutto-Nominalwert der ausstehenden Kontrakte von Oracle-CDS innerhalb von drei Monaten auf 14,1 Milliarden US-Dollar gestiegen ist, während die Bestände bei Alphabet und Meta mit 915 Millionen beziehungsweise 627 Millionen US-Dollar deutlich kleiner ausfallen. Auch Governance wird wieder stärker zum Kreditfaktor. Politische Interventionen können regulatorische Verfahren, Vertragsrisiken und Reputationskanäle berühren und damit Risikoaufschläge über Event-Risiken beeinflussen. Präsident Trump forderte beispielsweise öffentlich, Netflix solle Susan Rice aus dem Board entfernen und stellte Konsequenzen in Aussicht. Für Credit-Investoren zählt weniger die Person als der Mechanismus: Politischer Druck kann die Planbarkeit von Cashflows und die Risikoabwägung verändern.

Für die Umsetzung in IG-Portfolios ergibt sich ein klarer Rahmen. Tech-IG kann als liquiditätsstarker Kernbaustein fungieren, sollte aber entlang von Verschuldungspfad, Capex-Flexibilität und Refinanzierungsprofil selektiert werden, ergänzt um eine explizite Governance-Prüfung auf politische Angriffsflächen. Neuemissionskalender und Risikobudgets steuern die Aufnahmefähigkeit, CDS-Overlays können in Phasen hoher Supply das Netto-Exposure stabilisieren. Ziel bleibt, Liquidität und Qualität zu nutzen, ohne Konzentrations- und Event-Risiken zu unterschätzen.

Jens Franck ist Partner und Leiter Portfoliomanagement der nordIX AG, Hamburg

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  • Jens Franck ist Partner und Leiter Portfoliomanagement der nordIX AG, Hamburg

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